Gerade erst hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung über den Sinn und Unsinn von Autos mit Plug In Hybrid-Antrieb geschrieben. Dabei fährt der Autor auf den Campingplatz, um die Batterie des Autos aufzuladen. Anschließend wundert er sich, dass das Aufladen mit 80 Cent pro kWh sehr teuer sei.
Dabei geht das auch ganz anders. Betreiber von Photovoltaik-Anlagen haben deutlich günstigeren Strom. Bei einer neuen Anlage kostet eine Kilowattstunde nur rund 10 Cent. Hier lohnt sich die Fahrt mit dem elektrischen Antrieb auf jeden Fall.
Für andere Fälle findest du weiter unten eine Beispielrechnung. Damit kannst du eine Einschätzung gewinnen, ob sich ein Plug In Hybrid für dich lohnen kann.
Was ist ein Plug In Hybrid?
Ein Plug In Hybrid ist ein Auto mit zwei verschiedenen Antrieben, einem Verbrennungsmotor und einem Elektromotor, dessen Akku man auch an der Steckdose aufladen kann. Das verspricht einen niedrigen Kraftstoffverbrauch bei gleichzeitig niedrigem Schadstoffausstoß.
Meistens wird hier ein Benzinmotor mit einem Elektromotor kombiniert. Manchmal findet man aber auch einen Dieselmotor.

Warum gibt es den Plug In Hybrid?
Wenn du wie ich in der Stadt wohnst, bist du vielleicht auch ab und zu von den Abgasen der Autos um dich herum geplagt.
2015 wurde bekannt, dass Volkswagen eine große Menge an Dieselautos manipuliert hatte, um die geltenden Abgasvorschriften zu umgehen. Spätestens seitdem haben es die Autohersteller immer schwerer, die Grenzwerte für den Schadstoffausstoß einzuhalten. Das gilt besonders für den Diesel.
Dabei hatten vor allem die deutschen Hersteller stark auf den Diesel gesetzt, um die ebenfalls sinkenden CO2-Grenzwerte einzuhalten. Wenn also der Dieselantrieb ausfällt, müssen neue Lösungen her.
Da fällt die Wahl der Hersteller auf den Plug In Hybrid-Antrieb.
Der Plug In Hybrid soll das Beste auf zwei Welten vereinen. Das bisherige Benzin- oder Dieselauto stößt entweder zu viel CO2 oder zu viele Schadstoffe aus. Beim Elektroauto ist die Reichweite nach wie vor eingeschränkt und das nachladen dauert je nach Ladestation sehr lange. Gerade bei Langstrecken erzeugt das lange Pausen. Außerdem ist ein Elektroauto mit hoher Reichweite immer noch teuer.
Ein Plug In Hybrid-Auto bietet eine elektrische Reichweite, mit der man den Alltag gut meistern kann. Für längere Fahrten gibt es dagegen keine Einschränkungen, da man wie gewohnt in wenigen Minuten volltanken kann.
Die große Frage lautet: Verbindet der Plug In Hybrid das Beste oder nur die Nachteile aus zwei Welten?
Lohnt sich ein Plug In Hybrid?
Plug In Hybrid Autos sind meistens relativ teuer. Oder anders herum ausgedrückt: Es gibt keine richtig günstigen Plug In Hybride. Was die einzelnen Modelle kosten, siehst du weiter unten in der Modellübersicht.
Dabei stellt sich die Frage: Lohnt sich das? Bzw. Für wen lohnt sich das?
Ich werde das hier in zwei Beispielrechnungen aufzeigen. Für die Rechnung nehme ich den BMW 225xe Active Tourer. Auch wenn er mit knapp 40.000 Euro Basispreis nicht gerade günstig ist, liegt er hier doch am unteren Ende der Preisskala. Hier muss er sich im Vergleich seinem reinen Benziner-Bruder BMW 220i Steptronic für 35.100 Euro.
Bei den Preisen geht die Rechnung schon los. Der Plug In Hybrid bekommt den staatlichen Umweltbonus. Das bedeutet, dass man vom Staat und vom Hersteller jeweils 1.500 Zuschuss beim Kauf bekommt. Dadurch kostet der 225xe nur noch 36.650 Euro. Das sind nur 1.550 Euro mehr als der Benziner. Diesen Betrag muss der niedrigere Verbrauch also wieder einsparen.

Beispielrechnung
Hier nehme ich zwei Szenarien für die Nutzung:
- Normverbrauch
- Pendeln zur Arbeit und zurück
Nach Norm verbraucht der Stecker-Hybrid nur 1,9 Liter Benzin auf 100 km. Dabei wird angenommen, dass die Fahrt mit voller Batterie startet. Je weiter das Auto also mit rein elektrischer Fahrt kommt, umso niedriger ist der Verbrauch.
Erster Vergleich: Normverbrauch
Der Normverbrauch liegt bei 1,9 Liter pro 100 km. Zusätzlich wird auch noch Strom aus der Batterie verbraucht. Der BMW 225xe verbraucht bei rein elektrischer Fahrt rund 14 kWh Strom pro 100 km. Hier liegt die elektrische Reichweite bei 57 km. Somit werden noch 8 kWh Strom verbraucht.
Daraus ergeben sich Kosten von 2,75 Euro für das Benzin (1,45 €/Liter, Stand 19.07.2019) und 2,40 Euro für den Strom, bei 0,30 Euro pro kWh. 100 Kilometer erzeugen also Kraftstoffkosten von 5,15 Euro.
Für den reinen Benzinantrieb ist die Rechnung einfach: Bei einem Verbrauch von 5,5 Liter pro 100 km muss man für das Benzin 7,98 Euro ausgeben. Das macht Mehrausgaben von 2,83 Euro pro 100 km.
Der BMW 2er kostet als Plug In Hybrid 1.550 Euro mehr als der reine Benziner. Diese Mehrkosten hat man nach rund 58.800 km wieder eingespart.
Zweiter Vergleich: Pendeln in die Arbeit und zurück
Für die zweite Runde nehme ich den Durchschnittspendler Thomas als Nutzer. Nach einer Angaben des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung pendeln die deutschen Arbeitnehmer im Durchschnitt knapp 17 Kilometer zur Arbeit. Das macht pro Woche bei 5 Arbeitstagen hin und zurück 170 Kilometer.
Die elektrische Reichweite reicht locker aus, um die 34 km in die Arbeit und zurück zu fahren. Dadurch kann der Pendler das Auto dafür rein elektrisch bewegen, ohne einen Tropfen Benzin zu tanken.
Nachdem das Leben nicht nur aus Arbeit besteht, nehme ich für die Rechnung noch an, dass Thomas alle vier Wochen mit seiner Familie zu den Großeltern fährt. Diese wohnen rund 80 km entfernt, also 160 km hin und zurück. Das heißt, hier kann die Familie 50 km elektrisch fahren und die restlichen 130 km dann mit Benzin.
Alles zusammen macht dann im Monat 130 km mit Benzin und 730 km rein elektrisch. Für den reinen Benzinverbrauch rechne ich 4 l/100km und 14 kWh Strom für die Elektrofahrt. Das sind jeden Monat 860 km, die Kosten von 38,20 Euro erzeugen. Somit kostet die Energie für 100 km 4,45 Euro.
Auch Sabine fährt jeden Tag 17 km in die Arbeit und zurück und besucht die Großeltern einmal im Monat. Mit ihrem BMW 220i kosten die 860 km zusammen 68,60 Euro. Pro 100 km macht das 7,98 Euro.
Der Mehrpreis für den Plug In Hybrid ist also nach knapp 44.000 km wieder eingefahren.
Fazit
Grundsätzlich lohnt sich ein Plug In Hybrid im direkten Vergleich zum Benzinantrieb. Vor allem durch die staatliche Förderung ist der Preisabstand beim Neukauf hier sehr klein geworden.
Beim Toyota Prius sieht die Rechnung etwas anders aus. Hier kostet der Plug In Hybrid rund 9.000 Euro mehr als der schon sehr sparsame „normale“ Hybrid. Nach Abzug des Umweltbonus sind das immer noch 6.000 Unterschied. Das wird sich nur lohnen, wenn man praktisch nur elektrisch fährt.
Ideal ist ein Plug In Hybrid für Pendler, die ihr Auto entweder zuhause oder am Arbeitsplatz regelmäßig aufladen können. Hier lässt sich dann Geld sparen.
Wer nie die Batterie aus der Steckdose oder Ladesäule aufladen kann, wird keine Freude mit dem Plug In Hybrid haben. Hier ist ein preiswerterer „normaler“ Hybridantrieb die bessere Entscheidung. Allerdings gibt es hier keine Förderung.
Welche Plug In Hybrid-Modelle es in Deutschland zu kaufen gibt, habe ich weiter unten aufgelistet.
Welche Modelle für den Umweltbonus infrage kommen findes du in der Liste des BAFA.
https://www.spritmonitor.de/de/detailansicht/758843.html
Plug In Hybrid: Alle Modelle (2019)
Im Moment gibt es gut 35 verschiedene Plug In Hybrid-Autos in Deutschland zu kaufen. Damit du einen besseren Überbrlick bekommst, stelle ich sie dir hier kurz vor.
Der Verbrauch wird im Moment von verschiedenen Herstellern unterschiedlich angegeben. Manche nehmen die alten NEFZ-Norm, andere geben den Wert nach der neuen WLTP-Norm an. Weiter unter erkläre ich noch den Unterschied, und was das bedeutet.
Si